Unlauterer Wettbewerb: Wann ist Werbung okay?

  • 89 Prozent der 10- bis 18-Jährigen spielen Computer- und Videospiele
  • Glücksspielgesetz muss erneuert werden
  • Schleichwerbung bei YouTube großes Problem

Unlauterer Wettbewerb ist eine Verzerrung fairer Bedingungen am Markt. Unlauterer Wettbewerb ist verboten, um Kunden zu schützen. Doch halten sich wirklich alle dran? Gerade in Zeiten der Digitalisierung sehen viele eine Grauzone auf Websites und Online-Plattformen.

Kinder- und Jugendschutz: Immer mehr Zeit online

Kinder und Jugendliche in Deutschland verbringen täglich fast zwei Stunden mit Computer- und Videospielen: 117 Minuten zocken die 10- bis 18-Jährigen im Schnitt am Computer, an der Spielekonsole, am Smartphone oder Tablet. 10- bis 11-Jährige spielen täglich rund 76 Minuten, 12- bis 13-Jährige 126 Minuten. Die 14- bis 15-Jährigen zocken im Schnitt 132 Minuten pro Tag, die 16- bis 18-Jährigen verbringen 128 Minuten mit Videospielen. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während Mädchen rund 89 Minuten pro Tag spielen, sind es bei den Jungen im Schnitt 139 Minuten.

Das sind die Ergebnisse einer Bitkom-Studie aus den Mai 2017. Die Zahlen dürften sich in den letzten zwei Jahren kaum geändert und eher noch erhöht haben. Doch das eigentliche Problem ist nicht die exakte Dauer des Spielens, sondern Unternehmen, die wie Electronic Arts (EA), diese Situation ausnutzen:

 

Lootbox-Verbot: Dilemma um EA und 0,91 € pro Stunde

Eine Lootbox (engl. Kofferwort aus “loot” für Beute und “box” für Kiste) ist eine Mechanik in Games und Videospielen, die Behälter mit zufälligem Inhalt erstellt. Meist anzutreffen im MMO-Bereich enthalten Lootboxen spielrelevante Ausrüstung oder sonstwie nützliches Equipment.

Immer noch gibt es eine große Debatte um sogenannte Lootboxen. Nach bestandenem Levelaufstieg oder direkt im kauf gegen Echtgeld sind Lootboxen zufällig generierte Preise. Das hat bereits verschiedene Gerichte, darunter in Belgien und Australien, veranlasst, Lootboxen als Glücksspiel zu klassifizieren. Und Glücksspiel mit Minderjährigen ist in sehr vielen Ländern verboten.

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Spielsucht ist ein großes Problem in der Gesellschaft, doch leider wird staatlicherseits wenig getan. Nun ist Games zocken, Slots besuchen, Filme streamen oder Werbung machen kein Verbrechen. Jedoch bewegen sich viele Unternehmen am Rande der Legalität in der Art und Weise, wie sie dies bewerben.

Unlauterer Wettbewerb zwischen Konkurrenten

TV-Werbung von Banken, Vergleichsportalen und anderen Anbietern bewegt sich teilweise am Limit der Legalität. Bekanntes Beispiel vor ein paar Jahren: Sparkasse und Commerzbank, welche sich in verschiedenen Werbespots gegenseitig beschossen:

sparkasse lohmann rennt

Music by Mona Davis Beat

Ein ähnliches Prinzip verfolgen auch Vergleichsportale wie Check24, welche häufig verheimlichen, dass sie keine unabhängigen Portale sind, sondern Provision pro verkaufter Buchung erhalten (also ein klassisches Affiliate-Geschäftsmodell verfolgen). Das prinzip wurde humorvoll vom funk-Kanal Walulis zusammengefasst:

Check24 – Was hinter der nervigsten Werbung der Welt steckt | WALULIS

Im neunten Zirkel der Werbungshölle wohnen die Check24 Familien und nerven uns in jeder Fernsehpause mit ihren nachsynchronisierten Kalauern. Philipp Walulis findet: Wäre ja nur halb so schlimm, würde sich hinter der perfekten Sitcom-Familien-Fassade nicht auch noch ein wirklich zweifelhaftes Geschäftsmodell verbergen. Jetzt mit original WindowsXP Wallpaper auf Fanwunsch hin!

Bei weitem war das moralisch zwar fragwürdig, aber bewegte sich gesetzlich noch in einer Grauzone. Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) verbietet lediglich gemäß § 6 UWG eine vergleichende Werbung:

(1) Vergleichende Werbung ist jede Werbung, die unmittelbar oder mittelbar einen Mitbewerber oder die von einem Mitbewerber angebotenen Waren oder Dienstleistungen erkennbar macht.

Unlauter ist es also, wenn direkt mit der Konkurrenz vergleichen wird. Das kann sich beziehen auf:

  1. Waren oder Dienstleistungen für den gleichen Bedarf,
  2. nicht objektiver Hinweis auf Eigenschaften wie den Preis,
  3. Verwechslungen zwischen dem Werbenden und einem Mitbewerber,
  4. Ausnutzung oder Beeinträchtigung des Rufs eines Mitbewerber,
  5. Verunglimpfung oder Herabwürdigung eines Mitbewerber oder dessen Produkte, Dienstleistungen etc. oder
  6. Imitation oder Nachahmung (Plagiat) eines Produkt oder einer Dienstleistung
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Irreführende Werbung: BGH urteilte bereits

Der Bundesgerichtshof urteilte, dass Verbraucher häufig den Wahrheitsgehalt nicht nachprüfen können. Bei einem Wein kann es problematisch sein, wenn er als “bekömmlich” beschrieben wird. Ein Anbieter muss jede Behauptung wissenschaftlich nachweisen können. Ist das nicht der Fall, so kann mit Abmahnungen gerechnet werden.

BGH zu irreführender Werbung

Ist der Hersteller Ehrmann mit der Werbung für seinen Kinderquark “Monsterbacke” zu weit gegangen? Darüber verhandelt heute der Bundesgerichtshof. Es geht um den Slogan “so wichtig wie das tägliche Glas Milch” auf der Verpackung. Der Quark ist hauptsächlich für Kinder gedacht. Ehrmann verwendet den Slogan nicht mehr.

Fazit: Unlauter ist alles, was andere (wie Konkurrenten oder Kunden) herabwürdigt, direkt beeinträchtigt oder vortäuscht. Ist ein Mitbewerber verunglimpft oder ein Kunde hinters Licht geführt, so kann es teuer werden für die Anbieter.

Unser Tipp: Kontaktieren Sie immer die zuständige Wettbewerbsaufsicht. Für den mitteldeutschen Raum sind das die Kartellbehörden von Bund und Ländern, also konkret:

Sachsen
Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie
Bundesbehörde
Bundeskartellamt

Kaiser-Friedrich-Str. 16

53113 Bonn

0228 94 99 – 0

zur Website

Sachsen
Staatsministerium
für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Referat 44
Marktordnung (Kartell, Regulierung, Börsen, Finanzmarktfragen)

Postfach 10 03 29

01073 Dresden

0351 564-0

zur Website

Sachsen-Anhalt
Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt

Ref. 33 (Wettbewerbsrecht, Versicherungen, Bankwesen, Landeskartellbehörde, Wirtschafts- und Gewerberecht)

Postfach 39 11 44

39135 Magdeburg

0391 567-01 zur Website
Thüringen
Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft
als Landeskartellbehörde
Referat 32
Postfach 90 02 25
99105 Erfurt
0361 3797-999 zur Website

Christian Allner

Als Schrift-Architekt hilft Christian Allner seit 2011 KMUs aus der Region Mitteldeutschland darin, besser und erfolgreicher zu kommunizieren. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er zudem Seminare und Workshops für Unternehmen und Interessierte an.
Seit 2016 ist er Vorsitzender des Verbandsausschusses BDS-Online für den BDS Sachsen-Anhalt.

Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken und podcastet bei #Onlinegeister. Begeisterter Hobbykoch.


*inkl. Dankeschön auf der nächsten Seite

Christian Allner

Als Schrift-Architekt hilft Christian Allner seit 2011 KMUs aus der Region Mitteldeutschland darin, besser und erfolgreicher zu kommunizieren. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er zudem Seminare und Workshops für Unternehmen und Interessierte an. Seit 2016 ist er Vorsitzender des Verbandsausschusses BDS-Online für den BDS Sachsen-Anhalt. Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken und podcastet bei #Onlinegeister. Begeisterter Hobbykoch.

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