13 Vorteile, warum sich Studenten selbstständig machen sollten

Das deutsche Lehrsystem wird gern kritisiert. Auch bekannte Internet-Unternehmer wie Gary Vaynerchuk (Vayner Media) oder Marcus Meurer (DNX-Konferenzen) kritisieren das starre Lehrsystem, denn die Hochschulen und Universitäten würden ihre Studenten kaum auf den wirklichen Alltag vorbereiten. Doch stimmt das wirklich?

Viele Studiengänge bereiten Sie sogar hervorragend auf das Berufsleben vor – sogar auf eine Selbständigkeit. Sie müssen nur die richtigen Studiengänge finden.

1. Sie wissen endlich, wozu Ihr Studiengang geeignet ist

Was im ersten Moment wie ein Scherz klingt, ist keiner: Viele Studenten wissen gar nicht, wozu sie ihr Studium brauchen. Viele brechen ihr Studium ab. Es folgen Frust und mäandernde Karrieren.

Natürlich können oder wollen nicht alle Studenten selbständig arbeiten. Und nicht jedes Studium ist dafür geeignet, später Unternehmer zu werden oder parallel stlbständig zu arbeiten. Medizin, Jura, viele Naturwissenschaften und therapeutische Berufe sind sehr praktikumsintensive Studiengänge. Häufig verbringen Sie Ihre Semesterferien eher damit in der Klinik zu arbeiten oder im Labor Experimente durchzuführen. Hier bieten sich eher Fächer wie die Wirtschafts- oder Geisteswissenschaften an.

Doch Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel: Viele Studienrichtungen sind sehr individuell. Jura an einer bestimmten Uni kann ganz anders strukturiert sein als an einer anderen – und dadurch auch ganz andere Freiräume bieten.

2. Sie lernen Praxis

Selbständigkeit gibt Ihnen aber auf jeden Fall eines: Praxiserfahrung. Als Student lernen Sie theoretisch. Um die Praxis müssen Sie sich in der Regel selbst kümmern.

Zwischen den großen breit aufgestellten Universitäten und den mehr in Nischen angesiedelten (Fach-) Hochschulen gibt es auch teils gewaltige Unterschiede. Hier müssen Topf und Deckel einfach passen. Der individuelle Studiengang sollte sich mit dem Studenten und dessen oder deren Plänen ergänzen.

3. Sie entwickeln einen Charakter

Im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich erhalten Sie einen guten Einblick in theoretische Abläufe, mit denen Sie später zu tun haben werden. Doch Steuern, Gesellschaftsformen und Lehrinhalt können Sie auch später lernen oder dann sogar Mitarbeitern übertragen. Ihr persönlicher Ehrgeiz, Ihre Motivation und Ihre geistige Einstellung zu Arbeit und Karriere müssen Sie sich aber selbst aneignen.

Das Studium – haben mir auch viele Professoren schon erzählt – sollte nicht nur da sein Fakten zu pauken. Es ist genauso wichtig im Studium eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.

4. Sie lernen zu diskutieren und mit Kritik umzugehen

Viele geisteswissenschaftliche Fächer können dabei helfen selbstsicherer zu werden. Häufig werden in den Seminaren Standpunkte diskutiert, Ideen vorgeschlagen und verteidigt. Ein Unternehmer muss das später genauso auch tun. Ich muss meinen Chef oder Geschäftspartner schließlich auch davon überzeugen, mir einen bestimmten Geldbetrag zu bezahlen, weil ich die geforderte Arbeit einfach am besten kann.

5. Steuerliche Vorteile als studentischer Unternehmer

Sich als Student zu gründen bietet verschiedene steuerliche Vorteile: Führen Sie das Unternehmen nur als Nebengeschäft (i.d.R. unter 20 h pro Woche) können Sie sich weiterhin studentisch oder bis 25 Jahren über die Familie versichern.

Des Weiteren können Studenten einen Großteil ihrer Studienkosten steuerlich absetzen. Studiengebühren sind Weiterbildungskosten, Lehrbücher sind Fachliteratur und so weiter. Hier gelten aber teils sehr individuelle Regelungen. Sind Sie als Student selbständiger Autor bzw. Schriftsteller ist es natürlich viel glaubwürdiger, wenn ich Die Leiden des jungen Werther oder Fifty Shades of Grey als Fachliteratur absetze (wobei letzteres vielleicht generell vermieden werden sollte).

Darüber hinaus können Sie in besonderen Situationen sogar Ihre WG als Arbeitszimmer absetzen, aber hier müssen die Vorbedingungen für ein Arbeitszimmer erfüllt sein. Falls das zutrifft, können Sie hier bereits gut sparen.

6. Sie können die 450-Euro-Grenze ignorieren.

Selbständige (auch wenn sie Studenten sind) müssen die Grenze von 450 Euro Bruttolohn pro Monat nicht beachten. Warum? Als Selbständiger arbeiten Sie: selbständig. Selbstständige Arbeit wird anders versteuert. Die bekannten 450 Euro pro Monat gelten für sogenannte “nicht selbständige Arbeit”.

Hier gibt es eine andere Grenze, die in § 19 des Umsatzsteuergesetzes (UstG) festgeschrieben ist: Kleinunternehmerregelung. Und die liegt momentan bei 17.500 Euro Umsatz pro Jahr. Wenn Sie pro Monat also weniger als 1.440 Euro verdienen (damit sind die puren Einnahmen gemeint, Abzüge und Ausgaben bitte nicht dazurechnen), dann brauchen Sie nur Nettobeträge abrechnen.

Der große Nachteil: Sie müssen in jedem Fall jährlich eine Steuererklärung machen. Als normaler nicht selbständiger Arbeitnehmer sind Sie da in Ihrer Entscheidung frei, ob Sie eine Einkommensteuererklärung anfertigen oder nicht. Als Selbständiger müssen Sie in jedem Fall jährlich eine machen.

7. Sie haben Zeit und können diese frei einteilen

Als Student können Sie Ihre freie Zeit für die selbstständige Arbeit nutzen. Sie müssen Ihre Vorlesungen nicht mit Chefs abstimmen. Freiraum und Möglichkeiten. Sie können sich ausprobieren. Sie können dann arbeiten, wann Sie wollen. Sie können arbeiten, mit wem Sie wollen. Sie müssen hinter keiner Kasse sitzen oder in einer Boutique shoppen oder Dinge tun, die niemals mit Ihrem späteren Beruf zu tun haben werden.

Das sollten Sie niemals unterschätzen. Als Student haben Sie immer einen gewissen Welpenschutz und daher die Freiheiten zu experimentieren.

8. Sie können die Strukturen der Hochschule nutzen

Damit meine ich nicht nur PC-Pools, Mediatheken oder die Bibliothek: Sehr viele Hochschulen haben eigene Netzwerke oder Gründerzentren wie das hgnc der Kölner Universitäten und Hochschulen oder das Hochschulgründernetzwerk Sachsen-Anhalt.

Zusätzlich gibt es studentische Unternehmensberatungen oder Vereinigungen. Und es gibt viele Vorlesungen oder ASQ-Programme, die sich mit unternehmerischen Handeln und Know-how auseinandersetzen.

“Ich habe häufig dort gearbeitet, wo ich gerade die Möglichkeit hatte. Als Kassierer oder Hilfskraft wäre das nicht gegangen.”
– Christian Allner

Obwohl viele Hochschulen und Universitäten unternehmerisches Handeln nicht fordern, fördern es viele zumindest. Außerdem können Sie als Student viele Ressourcen der Unis und Hochschulen nutzen, um Aufträge zu erledigen.

9. Sie können sich ggf. Ihre Selbständigkeit für Studienmodule anrechnen lassen

Im Bestfall lässt sich Beides miteinander kombinieren. Ich konnte mir beispielsweise manche Kundenprojekte als Pflichtpraktikum anrechnen lassen oder Modularbeiten in Praxiskooperation mit einem Kunden durchführen, wofür ich dann auch bezahlt wurde.

Genau darum geht es auch: Wir arbeiten und studieren, um Geld zu verdienen und uns etwas aufzubauen. Idealerweise sollten Sie das als Student bereits getan haben.

Im Lebenslauf macht sich eine Selbständigkeit oder studentisches Engagement immer gut. Als Student wollen Sie ja hoch hinaus, wollen Abteilungen oder Unternehmen leiten. Dann müssen Sie also auch wissen, wovon Sie da eigentlich sprechen.

10. Sie können die Selbständigkeit als Arbeitserfahrung in den Lebenslauf schreiben

Hier können Sie sogar in zwei Richtungen gehen: Da nicht jeder spätere Arbeitgeber unbedingt einen Ex-Selbstständigen beschäftigen will, können Sie Ihre Selbständigkeit groß- oder kleinreden. Warum manche Arbeitgeber keine Selbständigen anstellen wollen kann vielfältige Gründe haben, aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass einige wenige Arbeitgeber denken, ich habe durch meine Selbstständigkeit “Blut geleckt” und wolle den Chef ersetzen oder könne gar nicht mehr als Angesteller tätig sein, weil ich ja schon Unternehmer war.

Das ist natürlich Unsinn, aber Sie können sich hervorragend absichern gegen solche Brandmomente:

  1. Wollen Sie zeigen, dass Sie bereits Arbeitserfahrung haben, dann können Sie Ihre Selbständigkeit als “studentisches Unternehmensprojekt” umschreiben.
  2. Auf der anderen Seite: Wollen Sie zeigen, dass Sie bereits unternehmerische Erfahrungen gesammelt haben (bspw. für eine leitende Stelle) können Sie sich ruhig als “studentischer Unternehmer” oder “Selbstständig als …” im Lebenslauf beschreiben.

Es kommt hier ganz stark darauf an, wie Sie sich darstellen wollen. Denn immerhin sind Sie selbstständig tätig gewesen, das ist was! Wenn Sie dann noch Ihr Studium in Regelstudienzeit schaffen, weiß Ihr Arbeitgeber, dass er den richtigen Menschen engagieren wird. Das schaffen nämlich nicht alle!

11. Sie kommen leichter an Jobs

Das stimmt nur halb. Sie müssen natürlich weiter um jede Arbeit kämpfen – aber Leute sind wesentlich schneller bereit Ihnen welche zu geben. Für die meisten Auftraggeber ist Ihre Beschäftigung ein Projekt. Das lässt sich genau kalkulieren, berechnen und bezahlen. Sie kosten keine unnötigen Steuern, Versicherungen oder Ähnliches.

Viele Arbeitgeber schrecken vor neuem Personal zurück, weil diese kosten. Der Arbeitsgeber muss sich an Personalkosten wie Altersvorsorge, Krankenversicherung, Erwerbssteuer usw. häufig beteiligen. Die 450 Euro pro Monat sind die Untergrenze, bei der ein Arbeitgeber diese Steuern nicht zahlen muss. Doch als Selbstständiger fallen Sie nicht darunter. Ihr Auftraggeber kann Ihnen also auch ruhig 900 oder 1.500,- Euro bezahlen ohne diese Zusatzleistungen bringen zu müssen.

Ausnahmen: Einige Ausnahmen gibt es allerdings. Bei manchen Berufsarten können ggf. Zahlungen an Kammern, staatliche Versicherungen oder Verwertungsgesellschaften fällig werden.

12. Sie lernen sich zu bewerben.

Als Selbständiger sind Sie konstant am Bewerben Ihrer Tätigkeiten oder Produkte. Dadurch werden Sie geübter, wenn Sie sich später auf eine normale Stelle bewerben. Sie können selbstbewusster auftreten, mit Ihren Stärken und Schwächen umgehen usw.

13. Sie bekommen leichter Kredite

BAföG auf Nimmerwiedersehen! Es gibt zinsgünstige Kredite, die speziell auf Studenten zugeschnitten sind. Um die Suche nach einem passenden Kredit zu erleichtern, gibt es im Internet Portale zum Kreditvergleich. Außerdem gibt es staatliche Förderungen, wie zum Beispiel die Studienkredite der KfW Bank.

Fazit: Reifer im Studium durch unternehmerisches Handeln?

Bildung soll uns helfen, kompetenter, klüger und charakterstärker zu werden. Wir sollen lernen uns in der Welt behaupten zu können. Doch viele Studierende fallen nach ihrem Studium erst einmal in ein Loch, weil die Welt anders ist als die Uni.

Deswegen sollten Sie sich als Student mit Unternehmertum, Startup-Kultur und Gewerbe auseinandersetzen. Denn auch wenn Sie später etwas anderes arbeiten, erhalten Sie unvergleiche Erfahrungen, die Sie sonst nirgends anders in Deutschland machen können.

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Christian Allner

Christian Allner

Als Schrift-Architekt hilft Christian Allner seit 2011 KMUs aus der Region Mitteldeutschland darin, besser und erfolgreicher zu kommunizieren. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er zudem Seminare und Workshops für Unternehmen und Interessierte an.
Seit 2016 ist er Vorsitzender des Verbandsausschusses BDS-Online für den BDS Sachsen-Anhalt.

Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken und podcastet bei #Onlinegeister. Begeisterter Hobbykoch.
Christian Allner


*inkl. Dankeschön auf der nächsten Seite

Christian Allner

Als Schrift-Architekt hilft Christian Allner seit 2011 KMUs aus der Region Mitteldeutschland darin, besser und erfolgreicher zu kommunizieren. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er zudem Seminare und Workshops für Unternehmen und Interessierte an. Seit 2016 ist er Vorsitzender des Verbandsausschusses BDS-Online für den BDS Sachsen-Anhalt. Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken und podcastet bei #Onlinegeister. Begeisterter Hobbykoch.

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